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21.02.2025 ● Antonia Gabarda Crespo
Über Gehalt spricht man nicht - oder doch?
Tabuthema: Gehalt?!
Die eine redet offen über ihr Gehalt, der andere behält es lieber für sich. Allgemein betrachtet ist das Thema Gehalt jedoch nicht unbedingt unser Lieblingsgesprächsthema, denn wie wir fast alle wissen: Über Geld spricht man eigentlich nicht. Trotzdem, findet man sich hin und wieder in der Situation wieder, wo genau das Tabuthema Gehalt aufkommt. Da stellts sich einem schnell die Frage, darf ich überhaupt über ein solch verschlossenes Thema grundsätzlich reden?
Darf über Gehalt offen gesprochen werden?
Primär bist du als Arbeitnehmer dazu verpflichtet die Interessen deines Arbeitgebers zu wahren, doch wie weit reicht diese Pflicht? Heißt das jetzt, du darfst dich mit niemanden mehr über dein Gehalt austauschen? Die Antwort lautet "Jein". In diesem Fall sind die Fragen danach, mit wem du darüber sprichst und ich welchem Kontext maßgebend.
Prinzipiell solltest du dich daran orientieren was in deinem Vertrag steht. Unterliegst du der allgemeinen Verschwiegenheitsklausel zu Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen? Oder wurde bei dir eine Sonderregelungen hinterlegt? Gehaltsdaten sind laut der Rechtsprechung des Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 2009 kein Teil der allgemeinen Verschwiegenheitsklausel der Geschäftsgeheimnisse. Nur für vereinzelte Positionen oder zum Beispiel für die HR-Abteilung können andere Gesetzmäßigkeiten gelten. Sollte der Arbeitgeber ein nachvollziehbares wirtschaftliches Interesse an der Gehaltshöhe haben, sind in Normalfall Ausnahmeregelungen im Arbeitsvertrag festgelegt. Wenn die Offenlegung deines Gehaltes auf keine Gefährdung für das Unternehmen oder deinen Arbeitgeber hindeuten, ist der Gehaltsaustausch unter Kollegen und Familienangehörige gestattet. Selbst dann, wenn im Arbeitsvertrag eine Verschwiegenheitserklärung verankert ist, wäre eine solche Regelung unwirksam. Dein Arbeitgeber ist dazu verpflichtet den Gleichbehandlungsgrundsatz einzuhalten, welcher lediglich durch die Kommunikation über Gehälter gewährleistet werden kann.
Wann und mit wem darf ich über mein Gehalt sprechen?
- Innerbetrieblicher Austausch
- Auskunftsanspruch beim Arbeitgeber im Zuge des Entgelttransparenzgesetzes (Erst ab einer Unternehmensgröße von 200 Mitarbeitern)
- Privates Gespräch mit Familienangehörigen
- Auskunftspflicht gegenüber gewissen Behörden z.B. Sozialversicherungen
- Unter Freunden mit Vorbehalt: Es darf nicht zu einem Wettbewerbsnachteil für das Unternehmen führen
Wann sollte ich nicht über mein Gehalt sprechen?
- Reines Mitteilungsbedürfnis: Es sollte ein Anliegen dahinter stecken
- Bei Konkurrenzunternehmen: Hier gehört das Thema Gehalt zu den Geschäftsgeheimnissen, deshalb verstößt es gegen die Rücksichtnahmepflicht mit Mitarbeitern fremder Unternehmen, darüber zu sprechen
- Nicht das Gehalt Dritter erwähnen
- Unter Freunden mit Vorbehalt: Personen die nicht Teil des Unternehmens sind und keine Familienangehörige sind
Gehaltserhöhung: Wann kann ich mehr Gehalt verlangen?
Geld ist für viele ein Tabuthema. Wir verraten, wann der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung ist.
Was bringt es mir über mein Gehalt zu sprechen?
Die Geschäftsleitung fürchtet oftmals, dass eine zu transparente Kommunikation über Gehälter das Klima innerhalb des Unternehmens auf schlechte Weise beeinflussen könnte. Nichtsdestotrotz, ist der Austausch besonders für Arbeitnehmer essenziell, damit diese auf ihrem Karriereweg, weiterkommen und lernen können ihre Kompetenzen besser einzuschätzen. Welche Vorteile und vor allem auch welche Nachteile es bringt offen über sein Gehalt zu sprechen, klären wir im folgenden:
Vorteile:
Gleichbehandlungsgrundsatz | Mit (Branchen-) Kollegen vergleichen, um Fairness der Gehaltsbeträge zu beurteilen |
Gehaltsverhandlungen initiieren | Falls nach einem Kollegenaustausch ungleiche Gehälter entdeckt wurden |
Zusatzleistungen | Eine Gehaltserhöhung anfordern können und mit Beispielen und Leistungen beweisen |
Marktwert besser einschätzen können | Der Vergleich von Gehältern ist hilfreich hinsichtlich künftiger Jobs oder der Forderung einer Gehaltserhöhung |
Frust vorbeugen | Bei unfairen Gehaltshöhen kann man sich schnell ungerecht behandelt fühlen |
Nachteile:
Konkurrenzdenken | Der Vergleich unter Kollegen kann auch zu Neid und zu einem unangenehmen Arbeitsklima führen |
Sonderregelungen auf gewisse Positionen | Nicht jeder darf Auskunft über sein Gehalt geben und muss speziellen Regelungen folgen (z.B. wie Führungskräfte) |
Vertraulichkeitsregel | Personaler/HR Abteilung sollten nicht an der Gehaltskommunikation teilnehmen |
Tipps für einen gelungenen Gehaltsaustausch
Die wichtigste Regel lautet: Für außerbetriebliche Personen kann die Auskunft über dein Gehalt ein Geschäftsgeheimnis bedeuten. In Zukunft, genieße immer mit Vorsicht, mit wem du die Information teilst und warum du den Austausch suchst. Im Grunde genommen, sollte die eigene Gehaltshöhe wie ein persönliches Geheimnis behandelt werden: Erzähle es nur denjenigen, denen du wirklich vertraust und wo du dir sicher sein kannst, dass die Information nicht an andere Personen weitergegeben wird. Wenn du nochmal auf Nummer sicher gehen willst, belasse es bei dem Austausch mit Kollegen und Familienangehörigen. Sollte dein Kollege dir nicht mitteilen wollen, wie viel er verdient, kannst du dein Auskunftsanspruch beantragen. Mit dem Auskunftsanspruch ist es ab 200 Beschäftigte im Unternehmen, Mitarbeitern erlaubt sich bei ihrem Vorgesetzten die Gehaltsgefüge offenlegen zu lassen.
Erlaubt, aber trotzdem nicht gut angesehen? Was nun?
Trotz des inoffiziellen Stillschweigen deutschlandseits ist die Rechtslage sehr zu Gunsten des Arbeitsnehmers gestaltet. Durch den Gleichbehandlungsgrundsatz, das Auskunftsrecht und die Unwirksamkeit der Verschwiegenheitsklausel kannst du als Arbeitnehmer unfairen Gehältern entgegenwirken. Wenn du über dein Gehalt nächstes Mal sprichst, solltest du dich immer fragen: Wie offen darf ich über die Information sprechen? Und mit wem spreche ich darüber? Erlaubt ist der Dialog innerhalb des Betriebes mit Kollegen und mit Familienangehörigen. Auch wenn es einem manchmal unangenehm erscheint pikanten Themen, wie Gehalt, anzusprechen, sollten man versuchen sich das Große Ganze vor Augen zuführen. Wenn der Austausch aus einem triftigen Grund erfolgt, hast du jedes Recht dein Anliegen kundzutun. Letztendlich, wenn du unfair bezahlt wirst, steht es dir zu, entsprechend deiner Arbeitsleistung vergütet, zu werden.
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